Moskau 7.August 2000

Die lange Nacht der Moskauer Metro

Hötzl, Moskau 7.August 2000

Genug von Schlaglöchern, Taxifahrer, langen Warteschlangen und Varenikis?

Eine Möglichkeit für kulturinteressierte Moskaubesucher gibt es so gut wie immer.
Für 5 Rubel steht das prunkvolle Tunnelsystem der Metro so lange offen bis man wieder Moskaür Luft schnappen moechte.
Die Metro mit ihren über 250 Stationen, zeigt Saal für Saal wichtige Teile der sowjetischen Kultur und Architektur.
1931 hat ein Plenum den Bau der Metro beschlossen und schon am 15. Mai 1935 wurden die ersten Strecken der Oeffentlichkeit übergeben. So entstand im Untergrund ein neuer Architekturzweig.


Stationseingang "Krasnie vorota"(Rote Tore), 1931.

Empfehlenswert: die Ringlinie, bei der sich die „ganze monumental-dekorative Wucht des sozialen und politischen Mythenschaffens niederschlug.“ Man kann bei jeder Station austeigen, sich den Hals nach den Mosaiken in den Kuppeln verenken oder durch einen Skulpturengang wandeln, und sich alle drei Minuten in die nächste Station weiterbefördern lassen. Plastiken, Bilder, Mosaiken, kunstvolle Luster und raffinierte Beleuchtungen, Figürchen oder sonstige Ausschmückungen gestalten jede Station zu einem eigenen Palast mit seinen eigenen Geschichten.

Die von der Aussenwelt abgeschlossene Architekturrichtung entwickelte einen Stil, der von der schmucklosen, funktionellen Oberwelt deutlich getrennt war. Die Architektur der Metro sollte eine sowjetische Utopie und Romantik vermitteln, was ihr bis heute gelingt.
Ein Museum auf hunderten Kilometern unter der russischen Erde.



Stationen: "Kiewskaja koltsovaja - Kiewer Kreislinie", "Plozhad Revolutsij - Revolutionsplatz", "Elektrozavodskaja - Elektrofabrik"

Akte x : Metro 2_geheim

1935: Bereits vor der offiziellen Einweihung der Metro, gab es verbotene Zonen.
1967: Die erste Linie wurde in Betrieb genommen. Laenge: 27 km.

Stationen:
Kreml, Lenin Bibliothek, Regierungsflughafen,........und die unterirdische Stadt Ramenki für bis zu 20.000 Menschen.

1987: Fertigstellung der Linie 2 und 3.
Laenge von Linie 2: 60 km (Weltrekord für U-Bahn Tunnel)
Die Linie beginnt am Kreml und führt bis nach  „Bor“, einem Ausweichkommandopunkt des Generalstabs. Sie sollte eigentlich bis zur 75 km südlich gelegenen Tschechov führen. (Gerüchten zufolge tut sie das auch)

Laenge von Linie 3: 25 km
Die Linie beginnt ebenfalls am Kreml und führt zum Stab der Moskaür Luftabwehr.
Es soll einen Eingang über den Springbrunnen vor dem Bolschoi Theater geben.

1997: Im russischen Budget war noch eine Summe für ihren Ausbau festgelegt. Das löste einen Skandal aus, da der Bau aus amerikanischen Krediten finanziert werden sollte.

Angeblich geht die Linie neben dem Wohnhaus Jelzins am Osenij Boulvard zum Bunkerkomplex in Barwicha.

1992 erschienen zum ersten Mal Artikel in der Öffentlichkeit über das zweite Tunnelsystem.

Alle Daten sind sicher nicht geklaert. Die Metro ist aber ausschliesslich für Evakuierungsmassnahmen geplant und kein Transportmittel von Offiziersgattinnen oder Praesidentenliebschaften.

Den Plan der Metro 2 findet man auf www.metro.ru. Eine Homepage, die einer der bekanntesten russischen web-designer und fanatischer Fan der Moskauer Metro ausführlich zusammenrecherchiert hat (sehr sehenswert, Text leider nur auf russisch).

Text/Fotos: Manuela Hötzl <manuela.hoetzl@redaktionsbuero.at>

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