Novosibirsk 30. August 2000

Novosibirsk

Wolf, Novosibirsk 30. August 2000

Novosibirsk entstand als Ansiedlung mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahnmagistrale Ende des vorvorigen Jarhunderts. Genauer gesagt fixierte die Plazierung der erforderlichen Eisenbahnbrücke  über den Fluss Ob 1896 den Standort einer neuen Stadt. Innerhalb von 50 Jahren wuchs Novosibirsk aus dem sibirischen Waldsteppenboden. Den entscheidenden Schub erhielt die Ansiedlung unter Stalin, der den Ausbau Novosibirsks zu einem strategischen Industrie- und Eisenbahnknoten hinter dem Ural forcierte. Die Stadt vervielfachte ihre Einwohnerzahl innerhalb weniger Jahre. 1956 wurde ein neues Wissenschaftszentrum, Akademgorodok, an Novosibirsk angeschlossen und Wissenschaftler aus der gesamten UdSSR hier angesiedelt. Über 30 Wissenschaftsinstitute, darunter eines der führenden Kernphysikinstitut der Welt, forschten und lehrten in einer eigens dafür innerhalb weniger Jahre aus dem Boden gestampften Stadt.

Heute stellt Novosibirsk mit seinen 1,5 Millionen Einwohner (inoffiziell über 2 Millionen) neben Moskau und St. Petersburg ein 3. wichtiges Zentrum Russlands im Osten dar.

Die Stadt befindet sich im völligen Umbruch - die militärisch-industrielle Produktion liegt darnieder, das Wissenschaftszentrum verliert an Bedeutung. Novosibirsk etabliert sich zusehends als Handelsdrehscheibe zwischen China, Japan, Süd-Korea und Russland. Das bedeutet große Geldströme und eine zunehmende Orientierung nach Osten. Über die Moskauer Zentralgewalt hinter dem Ural wird geschimpft und ein neues sibirisches Selbstbewußtsein als eigenständige Region ist am Entstehen.

Der Hauptplatz wird noch immer von Lenin bestimmt. Im Hintergrund die von Aleksej Schusev ( u.a.Architekt das Lenin Mausoleums am Roten Platz) erbaute Oper. Die markanten Gebäude der Stadt wurden hauptsächlich in den 30er Jahren erichtet, was dazu führte, dass Novosibirsk mit einem weltweit wahrscheinlich einzigartigen konstruktivistischen Altstadtkern aufwarten kann.

Reiche gibts genug in Novosibirsk. Die dicken Autos stammen im Unterschied zu Moskau, dass eindeutig Mercedes-lastig unterwegs ist, eher aus Japan und Süd-Korea. Der Besitzer des Wagens erklärte mir kurz die sibirische Welt:

"Unsere Orientierung ist nach Osten im Dreieck China - Japan - Russland. Aus Russland kommen die Rohstoffe, aus China die Arbeitskraft und aus Japan das know-how. Darin liegt die Zukunft und Kohle fliesst jetzt schon genug. Von mir aus kann mit dem Fernsehturm gleich ganz Moskau abbrennen."

Die Metro in Novosibirsk ist zwar kleiner, steht der Moskauer aber in punkto Visionsgeist um nichts nach.

Und wartet mit einer Extraeinlage auf. Werbefernsehen in den Wagoons, TMV - TeleMetroVision.

 

Ein paar Kilometer vor der Stadt werden die sibirischen Klischeebilder sofort Wirklichkeit. Bunt bemalte Holzhäuser mit Selbstbauantennen.  In der Umgebung von Akademgorodok wurden die Anbindung der Wissenschaft an die Praxis immer schon großgeschrieben. Im Bild: Elektromagnetisierte Computerbestandteile von Forschungsgroßanlagen, die zur Antenne umfunktioniert besonders gute Empfangsleistungen bieten (siehe die zwei Metallringe rechts oben, die wir serienmäßig vorfanden).

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