Novosibirsk 1. September 2000

Frage des Sommers aus Novosibirsk

Wolf, Novosibirsk 1. September 2000

"Wird die Erde leichter, wenn Sie ins Weltall fliegen?"

Rita Tjurin: "Die Erde wird um 48 Kilo leichter."

 

 

Rita Tjurin arbeitet gemeinsam mit ihrem Mann Arkadi am Aufbau einer Straßenzeitung und Notschlafstelle in Novosibirsk. Die Zeitung existiert als sibirische Ausgabe der Petersburger Na Dne seit einem Jahr und etabliert sich erst langsam als Selbsthilfeinstrument für Obdachlose. Zur Zeit arbeiten ca.10 Obdachlose als Verkäufer in Novosibirsk.

Novosibirsk hat für seine Größe (ca. 2 Millionen Einwohner) eine überproportional hohe Zahl von Menschen ohne festen Wohnsitz. Realistische  Schätzungen liegen bei ca.100 000. Dies ist durch die Position von Novosibirsk als Verkehrsknotenpunkt zwischen Ost und West bedingt. Die Transsibirische Eisenbahn hat hier ihren größten Zwischenbahnhof, der Fluß Ob bringt einen starken Süd-Nord Schiffsverkehr mit sich. Laut Rita Tjurin kann man von einer Transitobdachlosigkeit sprechen: Durchreisende bleiben in Novosibirsk einfach hängen, leben hier ein paar Tage oder gleich mehrere Jahre auf der Straße. Dieser Art von Obdachlosigkeit kann man schwer mit Integrierungsmaßnahmen begegnen, das einzige was oft bleibt ist Hilfe für den Moment zur Verfügung zu stellen.

Die staatlichen Stellen versuchen dies in einem Zentrum für direkte Sozialhilfe durchzuführen. Hier werden pro Monat an die 2500 Menschen mit Gewand, Essen und medizinischer Erstbetreuung versorgt. Außerdem existiert eine staatliche Notschlafstelle für ca. 100 Menschen. 

Na Dne Novosibirsk startet ab Anfang nächsten Jahres einen weiteren Beitrag. Gemeinsam mit der belgischen Abteilung der "Ärzte ohne Grenzen", die in Moskau sehr aktiv sind, soll in Novosibirsk eine weitere Notschlafstelle mit medizinischer Versorgung eröffnet werden.

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