Graz 18. Mai 2000

U-Bahnlinie Graz - St. Petersburg 2003

Wolf, Graz 18. Mai 2000

 
Graz und St. Petersburg werden in näherer Zukunft enger zusammenrücken. Das wahrscheinliche Eintreffen des Jahres 2003, Kultur und Europa machen es möglich.

Seit 1985 ernennt die EU jährlich für die Dauer eines Jahres eine "Europäische Kulturhauptstadt" (im Sonderjahr 2000 waren es gleich 9 Städte). Für die diese Ehre innehabende Stadt bedeutet das nicht nur einen ordentlichen Zustrom an medialem Interesse und Geld, sondern auch, dass die Stadtveranwortlichen in der Ferne regelmäßig die sportliche Aufgabe vor sich sehen, möglichst hohe kulturelle Saltos hinzulegen. 2003 erwartet Graz eine solche Aufgabe. Wohin springt die zukünftige Kulturhauptstadt? Überall hin versteht sich - besonders interessant ist aber der Schritt nach Osten. Zur selben Zeit feiert die nördliche Metropole St. Petersburg ihr 300jähriges Gründungsjubiläum und beherbergt verbunden damit den Europäischen Kulturmonat. Springen wir also gemeinsam!

Obwohl sich das Anlassdatum am Zeithorizont erst vage ausmachen läßt, trafen sich offizielle Delegationen beider Städte bereits letzten Sommer in St. Petersburg zu Gesprächen über eine mögliche kulturelle Zusammenarbeit. Bürgermeister Jakovlev und sein österreichischer Amtskollege Stingl kamen auf Grundlage eines "Russisch-österreichischen Kulturabkommens" überein, die wechselseitigen Kontakte zu verstärken und gemeinsam ein breites Programm für 2003 zu entwickeln, eine Städtepartnerschaft ist im Gespräch.

"Diese künftige neue Kultur- und Städtepartnerschaftsachse entspricht genau dem Konzept der Stadt Graz für 2003, nämlich dass wir uns auch als ein kulturpolitischer Brückenkopf für den mittel-, ost- und südosteuropäischen Raum präsentieren" kommentierte Bürgermeister Stingl die erfreulichen Resultate des ersten Probematches.

Ein respektables Ergebnis, doch uns als Veteranen der Subkultur stellt sich die Frage, was außer den Traumpaarungen Eremitage-Joanneum, Kirov Ballet - Grazer Oper, noch erwartet werden kann.

Tatsächlich gibts es von österreichischer Seite bereits ein paar Projektvorstöße, die auf dem Gebiet zeitgenössischer Kunst Spannendes erwarten lassen. Müßig zu sagen, dass sämtliche nachfolgende Unternehmungen sich erst im Projektierungsstadium befinden, und vor allem noch mit St. Petersburger KunstheldInnen weiter formuliert werden sollten.

Die Gruppe w.a.s. (Ursprung/Dreier/Jauk-Hinz) plant die Einrichtung eines digitalen Informationsstromes zwischen unseren zwei globalen Dörfchen per Internet Schaltungen im öffentlichen Raum verbunden mit einer kulinarischen Installation.

Die erfahrenen Vertreter paralleler Diplomatie mit Russland, Höller/Schwentner/Wolf, bereiten ein weitgefächertes Spartenprogramm der St. Petersburger Independentszene von Kino über Diskurs bis Musikreihe vor.

Das Projekt KUNST://ABSEITS VOM NETZ, setzt in Graz seit mehreren Jahren soziale Interventionen in gesellschaftlichen Randzonen. Mit einem Netz von Partnern und Wirtschaftssponsoren wurden neue Holzwohnmodule für die Grazer Obdachlosensiedlungen entwickelt und gebaut - dies unter dem symbolischen Projkettitel " Autonomer U-Bahnbau", die Notwendigkeit einer effizienten Anbindung sozialer Randgruppen an das Stadtgefüge soll damit signalisiert werden. Für 2003 wird mit russischen Partnern die Einrichtung "neuer" Metroverbindungen in St. Petersburg visioniert.
Leichte Trainingseinheiten sind also schon am Laufen, erste Mannschaften formieren sich - der offizielle Anpfiff zum zwischenstädtischen Meisterschaftsstart 2003 liegt aber noch in der Ferne. Egal - wir werden dabei sein!

Photos: KAVN


Graz Check:
300 000 Einwohner
1 Fluß
1 Berg mitten in der Stadt
1 Flughafen
30 000 StudentInnen
Sommer: + 30 C Winter: -5 C
2 Hard Rock Discos, 4 Disco Discos, 17 schlechte Discos
5 internationale Kunstfestivals
Berühmte Söhne und Töchter der Stadt: Johannes Kepler, Arnold Schwarzenegger, Marianne Faithfull, Marisa Mell, Sacher-Masoch, Opus.

mehr Info unter: http://www.graz.at/graz2003

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