Frage der Woche: "Wird die Erde leichter, wenn du in den Kosmos fliegst?"

Aaron Gach Aaron Gach:
"Hm. Das Gewicht als Maßeinheit ist doch eine konstruierte Größe, die nur genau auf der Erdoberfläche ihre Gültigkeit hat. Die Erde hat kein Gewicht, sondern Masse. Die Erde verliert an Masse, wenn ich fliege. Und zwar meine Masse und die Masse meiner Rakete."

 
Aaron Gach ist nach eigenen Angaben "kultureller Saboteur und ästhetischer Kopfgeldjäger". Er arbeitet als Assistent am Californian Center for Arts and Crafts in San Francisco. Seine Projekte fallen unter die Rubrik "Politischer Aktivismus aus der Kunstszene", Abteilung San Francisco, ordentlich gewürzt.

 
Zur Illustration 3 Beispiele:

Projekt "Cricket-Missile / Grillen-Marschflugkörper", 2000

cricket installation  

Einige Stunden nördlich von San Francisco, in den "Redwoods" tobt seit Jahren ein Kampf zwischen UmweltschützerInnen und Holzfirmen. Der unter Naturschutz stehende Baumbestand wird von den Holzfirmen kaltschnäutzig weitergefällt. Die dafür verhängte Strafe von 5000.- USD rechnet sich derzeit locker bei einem Ertrag von bis zu 80 000.- USD pro Baum. UmweltschützerInnen versuchen weitere Schlägerungen seit geraumer Zeit mit den klassischen Taktiken wie Sitzblockaden oder Anketten an den Bäumen zu verhindern.

Aaron Gach und Kollegen haben letztes Jahr zur Verwunderung beider Seiten das Projekt "Cricket Missile/Grillen Marschflugkörper" installiert. Die Zutaten sind kleine Explosivgeschoße mit einer Länge von 20 cm, ein Zündsystem, daß über akustische Frequenzmelder funktioniert und eine Besonderheit der Grillen: nach Angaben der Erfinder zirpen Grillen in einer ganz bestimmten Frequenz, sobald sich ihnen Menschen in größerer Anzahl nähern. Grillen gehören übrigens zu den ersten Insekten, die sich in frischgeschlägerten Waldgebieten ansiedeln.

Das Projektteam hat rund um gefährdete Bäume eine geheim gehaltene Anzahl von Missile Stellungen - eingegrabene Eisenrohre mit Raketen und Zündmechanismen - angelegt, die auf die Zufahrtswege für schweres Holzfällgerät zielen. Sobald sich Menschen auf diesen illegalen Zufahrtswegen nähern, legen zuerst die Grillen und dann die Grillen-Marschflugkörper los. Die Holzfirmen, Polizei und Forstverwaltung werden vorher genau informiert, welche der geschützten Bäume mit Missiles gesichert sind. Symbolische Kunstaktion oder echte Gefährdung?

Bisherige Bilanz der Aktion: Leichter Sachschaden an mehreren Baufahrzeugen. Verletzungen an Menschen sind bei mehreren bereits erfolgten Zündungen bisher keine entstanden, aber möglich.

Daß die Aktivistengruppe, die ihre Strategie hart am Rand des legal Machbaren mit ihrem Rechtsanwalt konzipiert hat, bisher mit keinen rechtlichen Schritten konfrontiert wurde, liegt daran daß die Holzfirmen keinen Wind um ihr eigenes illegales Verhalten machen wollen. Und die Aktion bewegt sich bei aller potentieller Gefährlichkeit für Menschen gerade an der Reizschwelle zu einer echten Bedrohung.

"Es liegt an der Skrupellosigkeit der Holzfirmen, wenn sie trotz unserer Warnungen illegalerweise Arbeiter in die Naturschutzgebiete zum Schlägern schicken," meint Aaron.

Aktion: "Alternative Headlines" 2001

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Mit dem Einsetzen der Kriegsrethorik in vielen US-Medien nach der Attacke vom 11.09. griff Aaron und eine Gruppe von MitstreiterInnen zu den bewährten Mitteln der Medienüberarbeitung im öffentlichen Raum. Die Verkaufsboxen der großen Tageszeitungen in Downtown San Francisco wurden immer wieder mit "Alternative Headlines" überklebt. "Bush wages war on common sense", oder "War Time Media abandons objectivity" brachte ein kurzes Aufatmen im allgemeinen Kriegsgetöse. Mit von der Partie: eine Plakatserie mit Bombenmotiven und dem Schriftzug "BassackWARds / Arschverkehrt".

Aktion: "Responsible Citizenship through Creative Action" 2001

Als im Frühjahr heurigen Jahres ein US Spionage-Flugzeug nach einer Karambolage im chinesischen Flugraum auf chinesischem Boden notlanden mußte, ließ Präsident Bush verlautbaren, daß "die USA sich für nichts zu entschuldigen hätten." Aaron fühlte sich vom Präsidenten schlecht vertreten und leistete seinen persönlichen Beitrag zur Korrektur des offiziellen US-amerikanischen Standpunktes. Ausgestattet mit einem selbstgebackenen Apfelkuchen, dem klassischen US Geschenk in nachbarschaftlichen Angelegenheiten, tauchte er im chinesischen Konsulat in San Francisco auf. Auf dem Apfelkuchen waren die chinesischen Lettern für "Ich entschuldige mich" mitgebacken. Nach kurzer erstaunter Sondierung der Sachlage durch die Konsulatsbeamten kam es zu einem einstündigem Gespräch mit dem chinesischen Vizekonsul und dem zufällig anwesenden Wirtschaftsminister der Volksrepublik. Die persönliche Entschuldigung wurde dankend angenommen und die politische Lage auf der Ebene des "Responsible Citizenship" diskutiert.

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San Francisco, 11.10.01